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07.2014
Auch die Heinzelmännchen GmbH aus Wächtersbach und die Markt- und Servicegesellschaft des BWMK präsentierten als Integrationsbetriebe ihre Dienstleistungen im Wäscherei- und Cateringbereich sowie im Einzelhandel.

"Wer wird behindert und wodurch?"

Mehr Arbeitsplätze für Menschen mit schweren Behinderungen - Fachtagung von lag|integration und Integrationsamt

Darüber herrscht große Einigkeit: Menschen mit schweren Behinderungen brauchen bessere Chancen auf reguläre und vor allem dauerhafte Beschäftigung. Wie das erreicht werden kann, darüber diskutierten im Congress Park Hanau Vertreter aus Politik und Wirtschaft mit Repräsentanten hessischer Integrationsunternehmen.


Die Landesarbeitsgemeinschaft Integration hatte diesmal gemeinsam mit dem Integrationsamt des Landeswohlfahrtsverbandes (LWV) zu einer Fachtagung eingeladen, an der rund 170 Interessierte teilnahmen. Das Motto: „Unternehmen inklusiv. Erfolgreich. Sozial. Anders.“  Auch Hanaus Oberbürgermeister Claus Kaminsky und Landrat Erich Pipa unterstrichen in ihren Grußworten die gesellschaftliche Bedeutung dieses Themas.
Die Frage laute nicht mehr „Wer ist behindert?“, sondern: „Wer wird behindert und wodurch?“, so Kaminsky.

 

Zahl der hessischen Integrationsunternehmen steigt
Die Zahl der Integrationsunternehmen in Hessen steige an, erklärte Martin Berg, der Vorsitzende der Landesarbeitsgemeinschaft Integration, in seiner Begrüßung.  Aktuell gebe es hessenweit 46 Integrationsbetriebe, die Menschen mit schweren Behinderungen dauerhafte Arbeitsplätze unter tariflichen Bedingungen bieten. Fünf Neugründungen stünden bevor, drei Betriebe planten eine Erweiterung. Kernfrage für die Integrationsunternehmen sei nach wie vor, wie Teilhabe am Arbeitsleben für Menschen mit Einschränkungen gut gestaltet werden kann.  Dafür sei die Zusammenarbeit mit Politik und Wirtschaft unerlässlich. Arbeitgeber, die Menschen mit Behinderung einstellen wollten, müssten von Beginn an gut beraten und unterstützt werden. Gleichzeitig müsse man die Begleitung der Arbeitnehmer mit Behinderung gewährleisten, um den Erfolg des Arbeitsverhältnisses langfristig zu sichern. Insgesamt 23 Integrationsbetriebe präsentierten auf dem „Marktplatz“ im Congress Park das Spektrum ihrer Leistungsfähigkeit in unterschiedlichen Bereichen wie Gastronomie, Dokumentenmanagement, Einzelhandel und Wäschereiservice.

 

Plädoyer für die Werkstätten

„Integrationsunternehmen haben schon lange vor Inkrafttreten der UN-Behindertenrechtskonvention inklusive Arbeitsplätze vorgehalten“, erklärte Liane Grewers, Referatsleiterin im Hessischen Ministerium für Soziales und Integration. Sie leisteten einen wertvollen Beitrag sowohl für die Wirtschaft als auch für das Sozialgefüge im Staat. Es sei wichtig, noch mehr Menschen mit Behinderung Chancen auf einen regulären Arbeitsplatz zu eröffnen. Gleichwohl seien auch die Werkstätten für Menschen mit Behinderung nach wie vor unentbehrlich: „Sie bieten jenen Menschen Teilhabe am Arbeitsleben, die sich am allerwenigsten selbst helfen können.“
Dennoch dürfe man sich mit den bestehenden Möglichkeiten nicht zufrieden geben.

 

Auskünfte zu neuer Förderung durch  HePAS

Deshalb hätten das Hessische Ministerium für Soziales und Integration sowie der Landeswohlfahrtsverband Hessen das „Hessische Perspektivprogramm zur Verbesserung der Arbeitsmarktchancen schwerbehinderter Menschen“ (HePAS) aufgelegt. Ziel des Programms sei es, schwerbehinderte Menschen in ein dauerhaftes Beschäftigungsverhältnis zu vermitteln. Gefördert würden beispielsweise freiwillige Praktika und sozialversicherungspflichtige Probebeschäftigungen. Auch für die Besetzung eines Ausbildungs- oder Arbeitsplatzes mit einem schwerbehinderten Menschen werden Prämien bereitgestellt. Noch bis zum 31.12.2016 stellt das Integrationsamt für Maßnahmen und Einstellungen insgesamt 30 Millionen Euro aus der Ausgleichsabgabe bereit.
Überdies sei gemeinsam mit der Landesarbeitsgemeinschaft Integration über ein Beschäftigungsmodellprogramm verhandelt worden, um die Förderung für Integrationsunternehmen in Hessen an die der anderen Bundesländer anzugleichen. Gleichzeitig solle in der fünfjährigen Modellphase ab dem 1. Januar 2015  erreicht werden, dass Menschen mit Behinderung ihren individuellen Eigenschaften und Talenten entsprechend eine sinnerfüllende Beschäftigung am allgemeinen Arbeitsmarkt finden und dauerhaft ausüben können. Details zu diesen Programmen erläuterte Thomas Niermann, der Leiter des Integrationsamts beim LWV.
Der Rechtsanwalt und Steuerberater Peter Backes beleuchtete aktuelle umsatzsteuerliche Fragestellungen von Integrationsunternehmen.

Arbeitgeber oft nicht hinreichend informiert
Für intensive Zusammenarbeit zwischen Politik, Wirtschaft und Sozialunternehmen sprach sich Reinhard Wagner aus, der als 2. Vorsitzender des Unternehmensforums e.V. die Arbeitgeber-Seite beleuchtete. Einer der größten Hinderungsgründe bei der Einstellung von Menschen mit schweren Behinderungen sei die Unwissenheit, gefolgt von Berührungsängsten und Sorgen um zu großen bürokratischen Aufwand und Kosten.  Er riet Arbeitgebern dazu, sich an Fachleute bei den Integrationsämtern, in den Integrationsunternehmen und -fachdiensten zu wenden. Die Vorteile für Unternehmen, die Menschen mit Behinderungen beschäftigten, lägen auf der Hand: Die Vielfalt der Kompetenzen bilde eine einzigartige Stärke, und besondere Fähigkeiten des Einzelnen könnten gezielt genutzt werden. Überdies seien die Menschen oft besonders loyal und hoch motiviert.  „In Menschen mit Behinderung steckt oft mehr als man denkt“, unterstrich auch Dr. Andreas Jürgens, der erste Beigeordnete des LWV, in seinem Beitrag. Integrationsunternehmen meisterten den Spagat zwischen den Anforderungen des Marktes und der Erfüllung des sozialpolitischen Auftrags. Menschen mit Behinderung zu fördern und dauerhaft zu beschäftigen bedeute zusätzlichen Aufwand. „Dafür brauchen die Unternehmen entsprechende Ausgleichsleistungen“, so Jürgens.

Fotos:  Zu der Fachtagung des LWV und der Landesarbeitsgemeinschaft Integration waren rund 170 Teilnehmer erschienen. Vorn im Bild Landrat Erich Pipa (links) und Martin Berg.
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